Hintergrundinfos zum Hotel NEPTUN

…finden sich an vielen Stellen, nicht nur im Netz. Anlässlich einer Buchveröffentlichung zum Hotel und seinen Hintergründen hat beispielsweise der Stern eine Einführung geschrieben. Diese ist online einsehbar unter:

http://www.stern.de/panorama/neptun-warnemuende-das-hotel-der-spione-654968.html

Spannung garantiert. Wir wünschen erfolgreiches Stöbern!

Wer bitte ist Neptun?

Auf der Promenade vor dem Neptun Hotel. Was man nicht sieht: Meer und Hotel

 

Unten im Hotel Neptun in Warnemünde, ein Hochhaus, dass ich als Kind hauptsächlich zur Orientierung am Strand brauchte, als noch nichts anderes da war zum merken, saßen wir Anfang der Neunziger in der Broiler-Bar, die ich als super tolles, dunkles Restaurant mit Bedienung in Erinnerung habe. Die Bestellung war nicht schwer: Hähnchen, Pommes, O-Saft. Es sind Ledersofas und Glaswände in meinem Kopf. Ein echtes Restaurant. Damals kuckten meine Eltern immer zur Tür, als erwarteten sie noch jemanden. Ging die Tür auf, drehte sich jeder in der Broiler-Bar herum wie zur Sonne. Das fand ich seltsam. Warten auf wen? Hatte ich was verpasst?

Erst später wusste ich, was das für ein Hotel ist. Gäste: Promis, Stasis, Politiker, BNDler. Es gibt eine lustige kurze Anekdote zu Ekkhart Schell, Brechtverwandtschaft, der nackt und zugedröhnt den Fahrstuhl hoch und runter fuhr. Nina Hagen und Wolf Biermann feierten. Günter Gaus, der sich an der Mix-Kunst der Bardame gar nicht satt sehen konnte, habe sich bemüht, einen Wodka aus der Flasche mit einem Meter Abstand in ein kleines Glas zu befördern, und das Ergebnis dieser Schenk-Artistik auch immer sogleich höchstselbst vernichtet. Das erzählen auch Wolfram Bortfeldt und Friederike Pohlmann in der Doku „Hotel der Spione“. Klingt beinahe romantisch. Als wären die Stasi-Hotels der DDR die Cafe-Häuser in Wien.

Schön wärs. Ich besuchte später mit meinen Eltern Rostock, weil sie da studierten. Sie konnten ihr Gewächshaus neben einer Uni, die so ganz Beton war wie unsere Schule, nicht wieder finden. Das Haus, in dem sie wohnten, war schon abgerissen. Im Unigarten wuchs Mais und Unkraut. Es war still. Wir gingen dann an den Strand, dann ins Neptun Hotel, also in die Broiler-Bar. Alles daran war eng und schäbig und wir stritten uns darüber, wer die richtige Erinnerung hatte. Meine Mutter sah eine Imbissbude, mein Vater ein günstiges Essen und meine Schwester erinnerte sich gar nicht. Mutter: „Wie immer!“ Vater: „..hm…brummel.“ Schwester: „Wo sind wir?“ Bruder: „Hunger“

Es sind verschüttete Erinnerung und ich wünsche mir manchmal, dass ich all die Anekdoten und Geschichten nicht aus einer Fernsehdoku erfahre. Das ist ja eigentlich sehr strange, also dass man Dokus sieht und die Zeitzeugen neben sich sitzen hat. Die sagen nur nichts. Es ist Strange, dass unser Leben schon Zeitgeschichte ist.